Keck's Pfaditechnik Kästchen

Liebe Pfaderin und Lieber Pfader

Tiefgründige Reflektion über die vergangenen letzten paar Berichte aus dem Jahr 2009 hat mich zum Entschluss gebracht, euch wieder einmal Wissen aus der Pfaditechnik anschaulicher und genauer erklären zu wollen. So möchte ich euch diesmal die Schweizerische Landesvermessung, deren Karten und mehr rund um das Pioniertechnikthema Orientieren mit Karten näherbringen.

Die Schweizerische Landesvermessung

 

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Konrad Türst: Schweizerkarte ca. 1:500'000, 1495 – 1497 Aquarel auf Pergament

Karten gibt es nicht erst seit die Pfadi diese braucht um Marschzeittabellen zu erstellen oder auf Wanderungen den Weg zu lesen. Nein, erste Schriftstücke, d.h. besser Karten, aus der Zeit von 2300 v. Chr. zeugen bereits davon, dass der Mensch den Wunsch hatte Landschaft, Gebiete, Grenzen, Städte oder die Anschaung der Welt für sich oder andere festzuhalten. So wurden früh die Gestirne beobachtet, Gebiete erkundet und das Wissen gesammelt wie alles möglichst bildlich auf eine Tierhaut oder Pergament gebracht werden kann.

Doch wenn wir nun dort anknüpfen verpassen wir glattwegs die ersten Versuche einer Schweizerischen Landesvermessung. Bereits um 1495 wurden erste umfassendere Karten von Teilen der Schweiz entworfen. Die Karten waren Einzelanfertigungen mit einem kleinen Massstab, worauf vor allem regionale Gebiete und noch nicht die ganze Schweiz abgebildet waren, die einen genauen Grundriss der einzelnen Objekte hatten (wie Städte oder Wälder und Seen) die in der Ansichtsperspektive dargestellt wurden.

 

Die ersten Gesamtkarten der Schweiz beruhen auf privater Initiative von Gelehrten, die Land und Leute aus eigener Anschauung kannten.

Henri Dufour
Henri Dufour

1833 wurde erstmals die staatlich angeordnete Vermessung der Schweiz durch Henri Dufour begonnen. In den ersten ca. 3 Jahren nahm er die ersten Dreiecksmessungen über die ganze Schweiz vor. Diese Dreieckmessungen dienten dazu ein grobes Netz an bekannten Fixpunkten anzulegen, auf welches weitere Netze mit Fixpunkten aufgebaut werden konnten und alle auch heute noch verwendet werden. Diese Netze sind in 4 Stufen eingeteilt, wobei das höchste an die 100 Fixpunkte beinhaltet und das tiefste, das jenige mit den meisten Punkten pro km2 an die 500'000 Fixpunkte. Solche Fixpunkte werden heute immer noch benutzt, und einer der uns nahesten liegende des Netz erster Stufe ist auf der Rigi durch die dreieckige Pyramide, welche als Fernziel dient, gekennzeichnet.
Der Vorteil der genannten Dreiecksmessung bestand für Dufour vor allem darin das er nur zwei oder drei Abstände/Distanzen zwischen zwei Punkten aus dem ganzen Netz der 1. Stufe mit ja insgesamt 100 Punkten bestimmen musste und den Rest durch geometrische Berechnungen bestimmen konnte.

 

 

 

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Ausschnitt einer Dufourkarte

Aufgebaut auf diese Netze und verfeinert in alle Kantone erschuf Dufour bis 1844 ein gesamt schweizerisches Kartenwerk welches mit einer Schraffur zur Höhendarstellung im Massstab 1:100'000 und mit nur einer Farbe alles für die damalige Zeit empirisch genau und gut darstellen konnte.
1863 Liess zu Ehren dieses vermesserischen Meilensteins der Schweizerbundesrat der höchste Berg des Landes auf seinen Namen umbenennen.
Durch den Nachfolger von Dufour, Hermann Siegfried, wurden bis 1926 alle Dufourkarten überarbeitet, in den Massstab 1:25'000 übertragen, ausgebaut und erstmals in Farbe Braun, Blau und Schwarz erstellt.
1912 wurde das Bundesamt für Landestopografie ins Leben gerufen und begann die ersten Grundbuchrechtlichen und vermessungsrelevanten Grundlagen zu definieren und festzuhalten. Bald begannen Geometer in allen Gemeinden nach diesen Richtlinien die Gemeindepläne zu erstellen. Mit der aufkommenden Digitalisierung wurde es nun nach und nach möglich und immer einfacher aus diesen vielen einzelnen Puzzelteilen worauf jeweils eine Gemeinde abgebildet war, alle weiteren Zusammensetzungen zu erzeugen.

 


Heute sind alle diese Daten welche in einer Karte enthalten sind elektronisch erfasst und mit speziellen Programmen und passenden Applikationen einfach zu verwalten und zu verändern. Was früher in mühsamer Arbeit mit optischen Mitteln gemessen, nachher berechnet und mit Tusch aufs Papier gebracht wurde, kann heute mit wenigen Knopfdrücken mit einem sogenannten Theodolith draussen im Feld gemessen, mit dem PC schnell verarbeitet und mit einem Drucker x-fach vervielfältigt und in allen Farben dargestellt werden.

Fakten zur heutigen 1:25'000 Karte

Folgende Farben sind auf der heutigen Karte zu finden: grün, blau, braun, gelb und schwarz. Die Äquidistanz beträgt 10 Meter im Flachland und in den Bergen 20 Meter. Der Nullpunkt des schweizerischen Landeskoordinatennetzes liegt in Bordeaux in Frankreich und der Berührungspunkt in Bern bei der Koordinate 600/200 auf der alten Sternwarte.
Heute wird als Projektionssystem der Landesvermessung ein rechtwinkliges schiefachsiges Zylinderprojektionsystem verwendet. Das bedeutet, dass bildlich gesprochen alle Punkte auf der Erde auf einen Zylinderförmigen Lampenschirm (die Karte) der leicht schief zur Erdachse über die Erde gestülpt ist, von einer hellen Lichtquelle im innern der Erde, abgebildet werden. Als Reliefdarstellung dient eine Nordwest beleuchtung welche durch eine gelbe Schraffur herausgehoben ist.
Und wem dies alles nun Spanisch vorkommt, keine Angst nicht alles muss man wissen für eine P/OP Prüfung. Als ausführlichere Erklärung und ergänzende Literatur ist das Technix zu empfehlen.

Der Daumensprung

 

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Der Abstand zwischen den Augen und die Distanz Auge – Daumen stehen im Verhältnis wie der Abstand der beiden Bäume zum Daumen. d muss geschätzt werden.

Ihr habt recht, spannend ist es vielleicht aber so richtig etwas Handfestes aus der Pfaditechnik fehlt. Ich will auch nicht entäuschen.
Bis ca. 1970 wurden mittels verschiedenster nicht elektronischen Verfahren die Distanzen gemessen, welche allesamt meist auf wichtigen Geometrischen prinzipien beruhen. So will ich euch eines dieser, das simpelste und das jenige das wir Pfadis noch immer verwenden und für die P/OP kennen müssen, etwas genauer näher bringen.

 

Wie funktioniert der Daumensprung:

Ein Auge schliessen, die eine Hand mit Daumen nach oben gestreckt vor sich halten und das Objekt anzielen zu welchem die Distanz geschätzt werden soll. Mit dem Wechsel des Auges hüpft der Daumen vom besagten Objekt weg und die Distanz welche der Daumen in weiter Ferne vom Objekt weg gehüpft ist multipliziert mit zehn ergibt die Entfernung zum Objekt.

Warum funktioniert der Daumensprung:

Dank der anatomisch bedingten Gegebenheit das Augen Abstand Armlängen Verhältnis eins zu zehn ist und dank dem Strahlensatz aus der Elementargeometrie.

 

Allzeit bereit

Keck

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