Keck's Pfaditechnik Kästchen

Liebe Pfaderin und Lieber Pfader

Brücke

Um die Höhe der Brücke zu bestimmen lasse einen Stein fallen und messse die Zeit mit einer Uhr

An einem der letzten Sommertage haben wir uns an einem Sonntag in einer kleinen Vierer-Gruppe, bestehend aus alten Pfadi-Leitern, zum Wandern frühmorgens besammelt und sind mit Zug und Bus an den Ausgangspunkt unserer Wanderung ins Muotatal gereist. Von dort sollte der Weg uns zuerst steil im Hang und anschliessend gemächlicher zum Kinzig-Pass auf Suworows Spuren nach Altdorf führen. Im Muotatal, wo Zeit, Wasser und Biosäuren das zweitgrösste Höhlen-system Europas in den Berg gefressen haben, sind Bachtobel noch wirkliche Tobel und ziehen sich zerklüftet und sich zerteilend durch die Karstlandschaft. So kam es auch, dass wir bereits nach ungefähr einer Viertelstunde, als wir durch eine lichte Baumreihe von einer auf die andere Seite einer Wiese gelangen wollten, eine Brücke von ca. fünf Metern Länge überqueren mussten, wo in erschreckender Tiefe gurgelnd ein Bach ins Tal floss. Staunend hingen wir mit Vorsicht über dem Geländer der Brücke und rätselten, wie tief diese Schlucht wohl sein möge. «Mindeschtens so höch isch euse Turm im letschte Summerlager gsii!» – «Nei, weisch na, de isch ja nur vier Meter gsii. Das da sind meh!»

Schnell kam uns der pfaditechnisch korrekte Weg, wie diese Höhe zu bestimmen sei, in den Sinn und wir suchten einen Stein und zählten die Sekunden, wie lange er bis zum Grund der Schlucht braucht.

«Eis – zwei … zwei Sekundä!» So schnell die Zeit für den freien Fall des Steines empirisch auch ermittelt war, mussten wir jedoch feststel-len, dass wir uns mit unserem geballten Pfaditechnikwissen nicht an die geläufige Formel der Höhenberechnung anhand der Zeit erinnern konnten. Selbst die Smartphones in jedermanns Hosensack konnten
uns nicht weiterhelfen.

«Gravitation g, isch Strecki dur Sekunde im Quadrat. G isch 9,81 irgendöppis und denn na dStrecki pro Ziit isch Gschwindigkeit, macht grundet zäh mal t Quadrat durch zwei.» – «Und was isch mit em Luftwiderstand? Chamer dä vernachlässige?» In einem letzten verzweifelten Versuch, eine optimale Höhenmessung zu erhalten, wollte einer
unserer Mitwanderer sein Smartphone in die Schlucht fallen lassen, um die Höhe mit dem GPS zu messen, wovon wir ihn glücklicherweise rechtzeitig abhalten konnten.

Die gesuchte Formel fehlte und da wir erst vor kurzem gestartet waren, beschlossen wir, nicht weiter Zeit zu
verlieren und unserer Route, dem Weg Suworows, zu folgen. Der Tag und die Umstände hätten besser nicht sein können und wir erlebten eine wunderschöne Wanderung. Die Passhöhe erreichten wir bei strahlendem Sonnenschein und nach insgesamt sieben Stunden Wanderzeit erlöste uns eine ideal gelegene Seilbahn von der letzten Hälfte des Abstiegs. Die Wanderung wäre perfekt gewesen, wäre da nicht diese ungeklärte Frage zur Brückenhöhe.

 

Wie berechnet man die Höhe einer Brücke oder die Tiefe eines Brunnens?

In der Pfaditechnik verwendet man als Faustregel folgende Formel zur Bestimmung der Höhe mittels eines fallenden Steins:

 

Fallzeit x Fallzeit x 5 = Brückenhöhe

 

Allzeit Bereit
Keck